Düsseldorf, 07. Februar 2019
Gestern besuch­te Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das WZ®-WundZentrum Düsseldorf. Er zeig­te sich beein­druckt von der täg­li­chen Praxisarbeit der spe­zia­li­sier­ten Pflegefachkräfte, die in enger Zusammenarbeit mit einem Facharzt für Gefäßchirurgie statt­fin­det. Menschen mit schwer hei­len­den und chro­ni­schen Wunden benö­ti­gen eine umfas­sen­de Beratung und Behandlung durch ein Team aus Arzt, Pflegefachkraft und wei­te­ren Gesundheitsdienstleitern.
André Lantin, Geschäftsführer der WZ-WundZentren GmbH, führ­te den Minister durch die Praxis, gab Auskunft zur Versorgungsstruktur und-qua­li­tät die­ser leit­li­ni­en­ge­rech­ten, ganz­heit­li­chen Spezialversorgung und erläu­ter­te die Bedeutung des Zentrums für die Betroffenen.

Mehr als zwei Millionen Menschen lei­den in Deutschland an Wundheilstörungen

Derzeit leben in Deutschland mehr als zwei Millionen Menschen mit schwer hei­len­den Wunden. Am häu­figs­ten tre­ten das „offe­ne Bein“ (Ulcus cru­ris), Druckgeschwüre (Dekubitus) und der dia­be­ti­sche Fuß auf. Darüber hin­aus gibt es mehr als 150 ver­schie­de­ne Wundarten als Symptom oder Komplikation ver­schie­dens­ter Grunderkrankungen. Die Behandlung offe­ner, kom­pli­zier­ter Wunden kann meh­re­re Monate oder sogar Jahre dau­ern. Sie erfor­dert regel­mä­ßi­ge Arzt- und Pflegetherapie.
Die Betroffenen sind durch star­ke Schmerzen, Geruch und Wundsekret meist mas­siv in ihrer Lebensqualität beein­träch­tigt. Häufig führt die schwer hei­len­de Wunde auch zu einer sozia­len Isolation und Arbeitsunfähigkeit.

Spahn: „Es geht um mehr als einen Verbandwechsel“

„Die Behandlung chro­ni­scher Wunden ist eine Herausforderung. Es geht um mehr als einen Verbandwechsel. Wundzentren leis­ten einen wich­ti­gen Beitrag zum Therapieangebot für Patientinnen und Patienten“, sag­te Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Eine aus­führ­li­che medi­zi­ni­sche- und Pflegeanamnese, die Ursachenforschung und Diagnostik sowie die Beratung und Koordination von Maßnahmen gehö­ren in den WZ®-WundZentren zum Therapiekonzept. Jede Wunde ist anders, des­halb ist Wundbehandlung auch auf jeden Patienten indi­vi­du­ell zuge­schnit­ten.

Abrechnung der Leistung mit Krankenkassen oft schwie­rig

„Wir schät­zen die Aufmerksamkeit, die Jens Spahn der Wundversorgung durch sei­nen Besuch ent­ge­gen­bringt. Entscheidungen der Politik spie­len bei unse­rer Arbeit eine aktu­el­le und aku­te Rolle“, so der Geschäftsführer der WZ®-WundZentren. Denn die Abrechnung der Pflegeleistungen ist mit den mehr als 100 Krankenkassen oft schwie­rig. Erbrachte Leistungen wer­den zum Teil abge­lehnt, weil der Gemeinsame Bundesausschuss (GB-A) nach Auffassung vie­ler Krankenkassen vor­erst noch Richtlinien für die Versorgung schwer hei­len­der und chro­ni­scher Wunden erstel­len soll. „Der Verweis der Krankenkassen auf die Richtlinien scheint manch­mal ein geeig­ne­ter Grund, um zu spa­ren – zu Lasten der Versicherten und Pflegefachkräfte. Denn der Gesetzgeber hat bereits im April 2017 Wundzentren als spe­zia­li­sier­te Pflegeinrichtung zum Leistungserbringer aner­kannt und das Versorgungsproblem erkannt“, so Lantin.

Zeitaufwand und Spezialisierung: Arztpraxen kön­nen Wundversorgung meist nicht leis­ten

Das Düsseldorfer WZ®-WundZentrum ist eins von aktu­ell 15 WZ®-Wundzentren in Deutschland. Allein 2018 wur­den bun­des­weit in die­sen Wundzentren mehr als 13.000 Patienten von exami­nier­ten Pflegekräften mit umfas­sen­der Zusatzqualifikation und spe­zia­li­sier­ten Fachärzten ver­sorgt. Bei Aufnahme in eines der WundZentren litt der Patient bzw. die Patientin durch­schnitt­lich bereits seit über einem Jahr unter der Wunde. Durch die Behandlung in einem der WZ®-WundZentren konn­te die Lebensqualität meist schon nach weni­gen Tagen deut­lich ver­bes­sert und auch der Schmerz durch moder­ne Therapieverfahren und Behandlungsmethoden erheb­lich redu­ziert wer­den. Der Wundverschluss bei den meis­ten die­ser kom­pli­zier­ten Wunden erfolg­te in weni­gen Wochen bis Monaten.

Die Behandlung der Wunde ist sehr zeit­auf­wän­dig, in der Regel dau­ert allein der Verbandwechsel inklu­si­ve Reinigung der Wunde 45 bis 60 Minuten. „Der Zeitmangel und die not­wen­di­ge fach­li­che Spezialisierung auf schwer hei­len­de Wunden, hohe hygie­ni­sche und räum­li­che Anforderungen in der Versorgung sind wesent­li­che Gründe, war­um Hausärzte in ihren Praxen eine Versorgung von kom­pli­zier­ten Wunden meist nur schwer leis­ten kön­nen. Ein Grund mehr für die Krankenkassen, ihren Versicherten auch die spe­zi­el­le Pflegeleistung in einem Wundzentrum zu erstat­ten“, for­dert André Lantin.